Erkrankung der unteren Harnwege – Harnsteine

18. März 2019 von Paolo Zambianchi

Bello muss ständig hinaus, neuerdings auch nachts. Pieseln tut er aber dann nur ganz wenig und er scheint schmerzen dabei zu haben, denn er winselt leise. Manchmal sieht man sogar Blutspuren im Harn. Man merkt deutlich, Bello fühlt sich unwohl in seiner Haut.

Auch Kater Max geht es nicht gut. Seit zwei Tagen versuchte er vergeblich aufs Kistchen zu gehen. Harn konnte er aber keinen absetzten. Mittlerweilen geht es ihm immer schlechter. Er wirkt matt, frisst nicht mehr und bewegt sich kaum noch.

Was ist hier los? Erfahren Sie im folgenden Text mehr über Harnwegserkrankungen und Harnsteine.

Harnsteine

Harnsteine sind mineralische Gebilde, die unterschiedlichste Formen und Grössen annehmen können. Abhängig von ihrer Zusammensetzung sind sie weich und sandig, hart, rund oder manchmal sehr spitz. Manchmal finden sich in den Steinen auch organische Bestandteile wie Zellen oder Bakterienbestanteile.

Grundsätzlich können sich immer dann Steine bilden, wenn der Harn zu konzentriert ist und sich die Mineralien nicht mehr lösen können. Dies nennt man Übersättigung. Entweder geschieht dies durch zu geringe Wasseraufnahme (Katze!) oder wenn das Futter ein ungünstiges Verhältnis an gewissen Mineralien (Anionen-Kationen-Verhältnis) aufweist.

Struvitsteine

       

Diese Steine bestehen aus Ammonium-Magnesium-Phosphat. Sie entstehen durch überhöhte Aufnahme von Natrium, Phosphor und Magnesium und/oder wenn das Futter den Harn alkalisiert. Sehr oft kommen sie beim Hund zusammen mit bakteriellen Blaseninfektionen vor. Struvitsteine sind beim Hund die am häufigsten vorkommenden Steine (60%), bei Katzen die zweithäufigsten.

 

Kalziumoxalatsteine

Futtermittel, die den Harm ansäuern, fördern die Bildung dieser Steine. Calcium, Vitamin D3- und proteinreiche Nahrungsmittel (bindegewebsreiche Produkte) werden in Zusammenhang mit dieser Steinart gebracht. Auch Oxalat-reiche Nahrung wie Rhabarber, Randen, Karotten oder Mangold können im Übermass zur Steinbildung beitragen. Katzen haben am häufigsten Oxalatsteine, bei Hunden sind sie am zweithäufigsten.

Purinsteine

   

Diese Steine kommen im Verhältnis zu den zwei vorhergenannten relativ selten vor. Sie entstehen bei mangelhaftem Abbau der Harnsäure in der Leber. So gelangt zu viel Harnsäure in den Urin, was zur Steinbildung führen kann. Genetisch kommt dies bei Dalmatinern und Bulldoggen vor. Auch können Lebererkrankungen dazu führen, bei Hunden wie auch Katzen.

Cystinsteine

Ebenfalls selten sind Cystinsteine. Sie kommen bei Hunden und Katzen vor und setzen sich aus Cystin und anderen Aminosäure zusammen. Gehäuft findet man sie beim Dackel, Basset, Yorkshire Terrier und Chihuahua.

Harnsteine kommen vorwiegend in der Blase vor. Nierensteine sind eher selten und sehr oft ein Zufallsbefund ohne Symptome.

Welche Tiere sind betroffen?

Schaut man sich die Anatomie von männlichen und weiblichen Tieren an, sieht man schnell, dass die Harnröhre von Kater und Rüde deutlich länger sind als von Kätzin und Hündin. Zudem muss die männliche Harnröhre mehrere Kurven und Engstellen (Penisknochen beim Rüden) passieren. Die weibliche Harnröhre hat einen weiteren Durchmesser als die männliche.

So sind im Allgemeinen mehr männliche als weibliche Tiere betroffen. Nur bei Struvitsteinen ist es gerade umgekehrt: da haben 1-2jährige Kätzinnen ein viel grösseres Risiko als Kater. Bei Hunden sind 80% der betroffenen Tiere weiblich.

Katzen stammen ursprünglich aus trockenen Gebieten. Ihren Wasserbedarf decken sie hauptsächlich über die Nahrung. Werden sie ausschliesslich mit Trockenfutter ernährt, kompensieren sie den fehlenden Wassergehalt meist nur ungenügend. Dies führt zu konzentrierterem Urin und das Risiko für die Bildung von Steinen erhöht sich dadurch. Das heisst aber nicht, das Trockenfutter per se schädlich wäre.

Symptome

Die Symptome sind stark abhängig von der Anzahl, der Beschaffenheit und der Lokalisation der Steine im Harntrakt. Sehr oft führen Steine durch ihre scharfen Kanten zu einer Blasenentzündung, die sich durch Blut im Urin, häufigen und teilweise schmerzhaften Harnabsatz zeigt. Katzen suchen vermehrt das Kistchen auf, sind unruhig, schreien manchmal auf und scharren wie wild im Sand. Bei Hunden kommt es öfters als bei Katzen zu begleitenden bakteriellen Infektionen der Blase.

Solange der Harnabsatz möglich ist, zeigen die Tiere keine, oder nur schwache Symptome wie Fressunlust, Müdigkeit oder Fieber. Ganz anders sieht es aus, wenn ein Stein die Harnröhre blockiert. Dann gibt es einen Rückstau des Urins in der Blase und diese wird massiv gedehnt, was sehr schmerzhaft ist. Später sind auch die Nieren vom Rückstau betroffen. Harnpflichtige Substanzen wie der Harnstoff und das Gleichgewicht der Elektrolyte, insbesondere Kalium, wird gestört. Der Organismus beginnt sich selbst zu vergiften. Zu hohe Kaliumwerte im Blut können zu Herzversagen führen. Im Extremfall können Blase oder Harnröhre platzen.

Je länger ein Harnröhrenverschluss unentdeckt und somit unbehandelt bleibt, desto mehr wird der Gesamtorganismus geschädigt und die Prognose fürs Überleben wird sehr schnell sehr schlecht.

Zeigt also ein Hund vermehrten Harnabsatz und dabei Schmerzen oder die Katze geht andauernd in ihr Kistchen sollte man aufmerksam werden. Folgende Punkte beachten:

  • Ist noch Harnabsatz möglich? Bei nein: sofort Tierarzt
  • Allgemeinsymptome wie mangelnder Appetit, Fieber, Schmerzen?
  • Auskühlen: z.B. kalte Pfoten und gleichzeitig sehr matt und lethargisch -> sofort Tierarzt

Gerade bei Freilaufkatzen, Kater sind im Allgemeinen häufiger betroffen, kann es schwierig sein, Symptome frühzeitig zu erkennen. Besonders dann, wenn die Tiere zu Hause kein Kistchen benützen. Daher lohnt es sich sein Tier täglich gut zu beobachten, um bereits kleine Abweichungen im Verhalten oder der Gesundheit festzustellen.

Therapie und Prophylaxe

Die Therapie ist abhängig von der Steinart und ob der Patient noch Harn absetzen kann oder nicht. Ist der Harnabsatz nicht mehr möglich, kann versucht werden, das Konkrement mit einem Blasenkatheter zu lösen und anschliessend die Blase zu spülen, um weitere Steine oder Griess zu entfernen. Manchmal ist aber auch eine operative Entfernung der Steine notwendig. Je früher der Stein gelöst werden kann, desto besser.

Ist das Allgemeinbefinden nicht oder nur geringgradig gestört und regelmässiger Harnabsatz gewährleistet, kann man versuchen, die Steine mittels geeigneter Diät und Medikamenten aufzulösen. Dies gelingt aber nicht bei den Struvitsteinen, diese müssen in jedem Fall entfernt werden. Es ist essenziell, dass die Steine analysiert werden, damit man die richtige Futterzusammensetzung wählen kann.

Nachteile bei der Auflösung von Steinen: Es dauert Wochen bis Monate, bis der Erfolg einsetzt. In dieser Zeit muss der Besitzer sehr konsequent mit der Fütterung sein und immer wieder zu Kontrollen gehen. Des Weiteren ist die Auflösung bzw. Bildung von Steinen pH-abhängig. Struvitsteine entstehen im basischen Milieu. Um sie aufzulösen, sollte der Urin angesäuert werden. Saurer pH-Wert begünstigt aber die Bildung von Oxalatsteinen. So können im ungünstigsten Fall bei der Therapie von Struvitsteine Oxalatsteine entstehen. Auch wenn die Steine durch eine Operation entfernt werden, ist die richtige Diät im Anschluss ein Muss.

Sehr wichtig in der Prophylaxe, der Therapie und um einer erneuten Steinbildung entgegenzuwirken, ist eine genügende Wasseraufnahme. So ist der Urin weniger konzentriert. Gerade Katzen profitieren eindeutig von Nassfutter, da dieses einen Wassergehalt von rund 80% aufweist. Hunden, welche mit Trockenfutter gefüttert werden, sollte man das Futter mit 3 Mal so viel Wasser einweichen. Hatte der Hund oder die Katze einmal Harnsteine oder Griess sollten regelmässige Kontrollen stattfinden, auch wenn der Patient keine Symptome mehr zeigt. Ein kritischer Punkt kann eine Futterumstellung sein. Auch da sollte man alle 3-6 Monate Kontrollen durchführen.

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