Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen – was tun?

25. Juni 2018 von Paolo Zambianchi

Kaum eine hormonelle Erkrankung kommt bei Katzen so häufig vor wie die Schilddrüsenüberfunktion oder Hyperthyreose. Wir erklären, worum es dabei geht und was man dagegen tun kann.

Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen

Die Schilddrüsenüberfunktionen oder Hyperthyreose ist die wohl häufigste hormonelle Erkrankung bei Katzen. Bei frühzeitiger Diagnose ist sie gut behandelbar. Wird die Schilddrüsenüberfunktion der Katze hingegen nicht rechtzeitig erkannt, können vielfältige Folgeerkrankungen resultieren.

Wichtige Schilddrüse

Die Schilddrüse (Thyroidea) ist eine Hormondrüse im Halsbereich unterhalb des Kehlkopfes. Sie liegt an der Luftröhre und ist im Normalfall nicht tastbar.

Als Hormondrüse übernimmt die Thyroidea wichtige und lebensnotwendige Funktionen im Stoffwechsel von Tieren und Menschen. Sie ist unter anderem verantwortlich für die Bildung und Speicherung von Jod, Thyroxin (T4), Trijodthyronin (T3) und Calcitonin, ein Peptidhormon, welches im Knochenstoffwechsel eine wichtige Rolle spielt.

Die genannten Hormone beeinflussen jede Zelle im Körper und somit den gesamten Stoffwechsel. Ein Mangel oder ein Überschuss kann demzufolge zu schwerwiegenden und sehr vielfältigen Symptomen führen.

Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion)

Bei Katzen handelt es sich in fast allen Fällen um eine gutartige Hyperplasie (Adenom) der Schilddrüse. Nur sehr selten bildet sich ein bösartiges Schilddrüsenkarzinom. Dieses Adenom bildet zu viel T4.

Anzeichen und Symptome

Es sind häufig ältere Katzen betroffen (ab ca. 8 Jahren). Typischerweise zeigen diese Katzen einen fast unstillbaren Hunger, was unweigerlich zu grossen Kotmengen führt. Trotz den Unmengen, die sie fressen, nehmen sie ab, sind dünn und struppig und machen einen ungesunden Gesamteindruck. Der gesamte Stoffwechsel läuft auf Hochtouren.

Typische Symptome

  • Extremer Hunger, der sich mit Phasen von Appetitlosigkeit abwechseln kann
  • Riesige Kotmengen
  • Teilweise unstillbarer Durchfall
  • Vermehrtes Trinken.

Das Verhalten ändert sich von Lethargie bis Hyperaktivität. Auffallend ist auch eine Muskelschwäche, die von Zittern begleitet sein kann. Der Tierarzt stellt oft eine Masse am Hals, ein Herzgeräusch und eine erhöhte Herzfrequenz fest.

Ähnliche Symptome zeigen sich auch bei anderen Erkrankungen. Darum sollte bei einer älteren Katze mit einem solchen Erscheinungsbild auch an Diabetes mellitus oder eine Niereninsuffizienz gedacht werden.

Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion

Die gängigste Therapie bei einer Schilddrüsenüberfunktion besteht aus der lebenslangen Gabe von Thyreostatika. Dies in Form von Tabletten oder einer Salbe, die in die Ohrmuscheln aufgetragen werden kann. In bestimmten Fällen kann auch eine Operation helfen. Die Schilddrüse wird dabei entfernt. Schwierigkeiten entstehen, wenn nicht alles Drüsengewebe entfernt werden kann; bei der Katze können sich entlang der gesamten Luftröhre Schilddrüsenzellen befinden.

Eine weitere Möglichkeit stellt die Radiojod-Therapie dar. Hier wird der Katze radioaktives Jod verabreicht, welches das Schilddrüsengewebe zerstört. Nachteil ist, dass die Katze dazu eine Zeit lang in einem speziellen Raum isoliert gehalten werden muss, da sie während dieser Zeit radioaktiv strahlt. Exkremente müssen als Sondermüll entsorgt werden. Nur dafür geschultes und geschütztes Personal darf sich um die Tiere kümmern.

Weiter wurde jodfreies Futter entwickelt, das in der Theorie auch tatsächlich funktioniert. Praktisch wird es aber schwieriger, da die Katze bis an ihr Lebensende kein anderes Futter erhalten darf. Somit ist das jodfreie Futter bei Schilddrüsenüberfunktionen für Freigänger keine Option. Zudem ist es nicht sehr geschmacksvoll und wird von Katzen oft verschmäht. Auch entspricht dieses Futter nicht einer rundum gesunden und ausgewogenen Ernährung.

Komplikationen und Prognose

Nicht selten verdeckt eine Schilddrüsenüberfunktion eine chronische Niereninsuffizienz. Katzen mit einer Hyperthyreose trinken vermehrt, was den Nieren zugutekommt. Wird die Katze nun behandelt, reduziert sich auch die Trinkmenge, was eine Niereninsuffizienz sichtbar werden lässt. Daher sollten bei einer Verlaufskontrolle auch die Nieren überprüft werden, auch wenn diese beim ersten Blutbild keine Auffälligkeiten zeigten.

Eine weitere Komplikation besteht im Erblinden. Hyperthyreose sowie Niereninsuffizienz können zu Bluthochdruck führen. Zeigt die Katze plötzlich weite, offene Pupillen oder läuft gegen Gegenstände, sollte möglichst rasch ein Tierarzt aufgesucht werden.

Die Lebensqualität einer korrekt eingestellten Katze ist gut. Regelmässige Blutkontrollen sind wichtig. Ebenso sollte das Verhalten der Katze gut beobachtet werden (Trink-, Futtermengen, plötzliches Zurückziehen, in Objekte laufen etc.).

Oftmals werden diese Katzen wählerisch, was das Futter anbelangt. Gute Futterqualität, wenn möglich Nassfutter, kann – nicht nur bei Schilddrüsenüberfunktionen – viel zur guten Lebensqualität beitragen

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