Schilddrüsenunterfunktion bei Hunden – was tun?

25. Juni 2018 von Paolo Zambianchi

Wieso die Schilddrüse so wichtig ist, wie man eine Schilddrüsenunterfunktion beim Hund feststellen kann und wie man diese behandelt, erfahren Sie hier.

Schilddrüsenunterfunktion bei Hunden

Die Schilddrüse (Thyroidea) ist eine Hormondrüse im Halsbereich unterhalb des Kehlkopfes. Sie liegt an der Luftröhre und ist im Normalfall nicht tastbar.

Als Hormondrüse übernimmt die Thyroidea wichtige und lebensnotwendige Funktionen im Stoffwechsel von Tieren und Menschen. Sie ist unter anderem verantwortlich für die Bildung und Speicherung von Jod, Thyroxin (T4), Trijodthyronin (T3) und Calcitonin, ein Peptidhormon, welches im Knochenstoffwechsel eine wichtige Rolle spielt.

Die genannten Hormone beeinflussen jede Zelle im Körper und somit den gesamten Stoffwechsel. Ein Mangel oder ein Überschuss kann demzufolge zu schwerwiegenden und sehr vielfältigen Symptomen führen.

Die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

Im Gegensatz zu Katzen, bei welchen eine Schilddrüsenüberfunktion sehr häufig ist, leiden Hunde fast ausnahmslos an einer Schilddrüsenunterfunktion. Ins 95 Prozent dieser Fälle kann die Schilddrüse selbst nur ungenügend Hormone produzieren. Sehr selten ist eine Fehlfunktion im übergeordneten Regelkreis schuld an der Erkrankung.

Eine Schilddrüsenüberfunktion kommt beim Hund praktisch nie vor. Wenn entsprechende Symptome auftreten, handelt es sich meistens um ein bösartiges Adenokarzinom.

Normalerweise leiden erwachsene, oft ältere Tiere an einer Schilddrüsenunterfunktion. Welpen mit Hypothyreose kommen tot oder lebensschwach zur Welt. Ihre gesamte Entwicklung ist schwer gestört.

Signalement

Hunde aller Rassen, Grösse und Alters können betroffen sein. Doch haben gewisse Rassen wie Retriever ein erhöhtes Risiko, an einer Schilddrüsenunterfunktion zu erkranken, besonders mit zunehmendem Alter.

Symptome

Die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion sind sehr vielfältig, da das T4 und T3 auf jede Zelle im Körper Einfluss hat. Typischerweise werden die Hunde träge und lethargisch, suchen bevorzugt warme Liegeplätze auf. Durch den verminderten Stoffwechsel kommt es zu Gewichtszunahme und Einlagerungen im Gewebe, sogenannten Myxödemen. Diese verleihen dem Hund einen typischen traurigen Gesichtsausdruck und können auch Gelenkschmerzen verursachen. Weitere typische Symptome betreffen die Haut. Nicht selten kommt es zu stellenweisem Haarausfall (Rattenschwanz), fettiger, schuppiger Haut und Hautinfektionen. Auch das Nervensystem kann in Mitleidenschaft gezogen werden: Lähmungen der Speiseröhre (Megaösophagus), Muskelschwund oder Zehenschleifen können die Folge sein.

Überdies können Durchfall oder Verstopfungen auftreten. Auch wiederkehrende Augenentzündungen und Allgemeininfektionen durch ein geschwächtes Immunsystem sind häufig.

Weiter kann es zu Verhaltensänderungen kommen, denen leider oft zu wenig Beachtung geschenkt wird. Plötzliche Veränderungen der Persönlichkeit oder Ängste und Phobien können ein Hinweis sein. Gerade bei der subklinischen Form - also im Stadium, in welchem die Unterfunktion im Blut noch schwierig nachzuweisen ist – wird oft von Konzentrationsmangel, Tunnelblick, unprovozierter Aggression, Hyperaktivität, mangelnder Belastbarkeit und ähnlichen Symptomen berichtet. Hier ist es ratsam, einen Tierarzt mit entsprechender Erfahrung beizuziehen.

Abklärung

Im Gegensatz zur Katze kann sich die Abklärung von Hypothyreose bei Hunden teilweise als recht kompliziert herausstellen. Die Blutentnahme erfolgt morgens am nüchternen Tier. Es stehen diverse Tests zur Verfügung, minimal jedoch sollten T4, freies T4 (fT4) und TSH bestimmt werden.

Schwierigkeiten bei der Abklärung von Schilddrüsenunterfunktionen stellen tageszeitliche Schwankungen dar. Auch gibt es Hunderassen (z. B. Windhunde), die physiologisch tiefere Werte besitzen. Auch kann jede andere Erkrankung zu niedrigen Hormonwerten führen.

Therapie

Die Therapie einer Unterfunktion der Schilddrüse besteht in den meisten Fällen aus einer täglichen Substitution der Schilddrüsenhormone. Begleiterkrankungen wie Hautinfektionen oder trockene Haut sollten immer auch behandelt werden. Hier spielen unter anderem die essenziellen Fettsäuren eine wichtige Rolle.

Komplementärmedizinisch gibt es ebenfalls eine Reihe von Unterstützungsmöglichkeiten. Mariendistel für die Leber bzw. Goldrute für die Nieren gleichen die Bildung und Umwandlung der Hormone aus. Körpertherapien, Akupunktur oder auch Homöopathie versuchen das natürliche Gleichgewicht im Körper wiederherzustellen. Eine Zusammenarbeit von Schulmedizin und komplementärmedizinischen Methoden ist somit bei der Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion sinnvoll und anstrebenswert.

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