Vorsicht in der Küche

3. Dezember 2018 von Paolo Zambianchi

Bereits Paracelsus sagte 1538: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift sei.“

Auch heute hat sich an dieser Aussage nicht geändert, wenn auch Dank den modernen Nachweismethoden und dem laufend neuerworbenen Wissen potentiell gefährliche Substanzen in weitaus geringeren Dosen nachgewiesen werden können als zu Paracelsus‘ Zeiten.

Heute gelingt es oft schon, eine Substanz zu erkennen bevor sie Schaden mit klinischen Folgen verursachen kann. Nichts desto trotz ist es hilfreich, wenn man über einige Dinge Bescheid weiss, die wir Menschen im Alltag gerne verzehren, aber für unsere Hunde gefährlich werden könnten.

Nachtschattengewächse

Dazu gehören bekannte und oft gebrauchte Gemüse- und Knollengewächse wie die Kartoffel, Tomaten, Peperoni oder die Aubergine. Sie machen unseren Speiseplan wie auch den unserer Hunde farbig und vielfältig. Doch sollte man einige Dinge beachten. Unreife Nachtschattengewächse enthalten das Alkaloid Solanin, welches eine „mittlere“ Giftigkeit aufweist. Solanin findet sich in unreifen Anteilen der Frucht, vorwiegend in der Schale und, wenn Kartoffeln dem Licht ausgesetzt werden, im grünen Teil. Symptome einer Solanin-Vergiftung sind gereizte Schleimhäute, Zersetzung der roten Blutkörperchen sowie erst erregende, später hemmende Wirkung auf das Nervensystem. Dies führt zu Durchfall, Erbrechen, Lähmungen und in einem späteren Stadium zu Atem- und/oder Herzstillstand. Die Wirkung ist abhängig von der Dosis.

Solanin ist hitzestabil, d.h. das Gift wird beim Kochvorgang nicht abgebaut. Aber: Es ist wasserlöslich und gelangt beim Kochen ins Wasser. Schüttet man dieses ab und schält zusätzlich die Knollen, sind Kartoffeln eine gute und willkommene Kohlenhydratquelle für Hunde. Ausserdem haben sie bei Durchfall einen sehr positiven Einfluss auf den Verdauungstrakt und können gut verdaut werden. 

Tomaten, Peperoni und Auberginen werden durch den Reifungsprozess entgiftet und können im vollständig reifen Zustand auch roh verfüttert werden.

Hülsenfrüchte

Hülsenfrüchte sollten wie Kartoffeln nur gekocht verfüttert werden. Roh enthalten sie das toxische Protein Phasin, welches eine „mittlere“ Giftigkeit aufweist. Phasin ist im Gegensatz zu Solanin hitzelabil und wird durch 15–20 min kochen bei 100 °C zersetzt.

Phasin schädigt vorwiegend die Darmschleimhaut und stört somit die Aufnahme von Nährstoffen, schädigt Verdauungsenzyme und verändert die Darmflora. Bei längerer Aufnahme von Phasin wird die Darmschleimhaut irreversibel geschädigt und kann auch zu Folge haben, dass die roten Blutkörperchen verklumpen. Gekocht sind Hülsenfrüchte eine reiche Eiweissquelle. Allerdings können sie Blähungen verursachen, v.a. wenn der Hund noch nicht daran gewohnt ist.

Zwiebeln und Knoblauch

Zwiebeln und Knoblauch enthalten verschiedene Sulfate mit einer „mittleren“ Toxizität. Dieser Stoff findet sich v.a. in der Zwiebel bzw. in den Knoblauchzehen selbst, weniger in den grünen Teilen der Pflanzen. Die toxische Dosis liegt für den Hund bei 5 g/kg, was ungefähr einer durchschnittlichen Knoblauchzehe entspricht. Vorsicht ist bei frei verkäuflichen Knoblauchprodukten zur Parasitenprophylaxe geboten. Man sollte sich immer an die Dosieranweisungen halten und die Produkte nur kurweise einsetzen.

Knoblauch wie Zwiebeln reizen die Schleimhäute, was zu Durchfall und Erbrechen führen kann. Ebenso können die Sulfate die roten Blutkörperchen zerstören. Eine Anämie kann die Folge sein. Bei einer Vergiftung ist zwar eine Therapie möglich, diese kann aber intensiv und langwierig werden.

Avocado

Nicht alle Avocados sind schädlich für unsere Vierbeiner. V.a. guatemaltekische und mexikanische Arten enthalten das „leicht“ giftige Persin. Jedoch lassen sich die verschiedenen Arten für Laien kaum voneinander unterscheiden und somit sollte man vorsichtshalber auf das Verfüttern von Avocados verzichten.

Persin hat einen schädigenden Effekt auf Herz und Magen-Darm-Trakt. Folgen können Durchfall und Erbrechen sowie Pankreatitis sein. Letztere wird durch den hohen Fettgehalt der Früchte noch weiter verstärkt. Herzmuskelschäden können vorkommen, sein aber glücklicherweise selten. Auch die Milchdrüse kann durch das Persin geschädigt werden, jedoch hat die Milchbildung bei säugenden Müttern eine Schutzfunktion.

Nüsse

Nüsse sind beliebt als kleine Snacks für zwischendurch, zum Backen und verfeinern von Speisen. Auch viele Hunde mögen Nüsse. Im Herbst knacken sie oft Baum- oder Haselnussschalen, um an den leckeren Kern zu kommen. Nüsse sind reich an verschiedenen ungesättigten Fettsäuren und sind eine schmackhafte Ergänzung für uns wie auch unsere Hunde.

Grundsätzlich sind Nüsse unbedenklich, aber man sollte auf einige Dinge achten. Damit ein Tier von Nüssen Schaden nimmt, braucht es i.d.R. grosse Mengen. Um Problemen vorzubeugen sollte man stets auf einwandfreie Qualität achten, denn meistens machen nicht die Nüsse selbst, sondern in ihnen enthaltene Pilztoxine Probleme wie Erbrechen und Durchfall. Bei Baumnüssen sollte vermieden werden, dass Hunde die grüne Schale fressen. Diese enthält viele Gerbstoffe und reizt den Magendarmtrakt. Auch sollen Hunde die scharfkantigen Schalen nicht verschlucken.

Eine Ausnahme sind Macadamiakerne. Der Verzehr von diesen Nüssen kann bei Hunden zu Hinterhandschwäche, Depression, Erbrechen, Ataxie, Zittern, Erhöhung der Körpertemperatur bis 40.5°C, Bauchschmerzen, Lahmheiten und Steifheit bis Festliegen führen. Der Wirkmechanismus ist unbekannt und die Tiere erholen sich im Normalfall innert 24–48 Stunden.

Trauben, Rosinen, Trester

Über Trauben wird viel gesprochen und auch immer noch gerätselt, v.a. in der Rohfütterung ist es nach wie vor ein grosses Thema. Hauptwirkstoffe in den Trauben sind Monosaccharide (u.a. Glukose, Fruktose, Oxalsäure). Warum und ob es nur diese Stoffe sind, die eine Vergiftung hervorrufen, ist nicht geklärt, zumal Glukose und Fruktose zwei grundsätzlich unbedenkliche Stoffe sind.

Verzehrt ein Hund zu viele Trauben (toxische Dosis wird mit 10–30 g Weintrauben/kg Körpergewicht angegeben) kommt es zu Erbrechen, Durchfall, Lethargie und innert Stunden zu heftigen Bauchschmerzen. Im Blut steigt der Ca-Spiegel an und es kann innerhalb von 24–72 Stunden nach der Aufnahme zu einem akuten Nierenversagen kommen. Die Therapie einer Traubenvergiftung ist schwierig und intensiv (Dialyse).

Schweinefleisch

Schweinefleisch hat in der Ernährung unserer Haustiere seit Jahren einen sehr schlechten Ruf. Grund dafür ist das mögliche Infektionsrisiko mit dem Aujeszky-Virus. Besonders unter den Rohfüttern gibt dies Anlass zu regen Diskussionen.

Das Aujeskzky-Virus betrifft Haus- sowie Wildschwein. Bei jungen Ferkeln führt es zu schnellen Todesfällen. Je älter die Ferkel werden, desto weniger drastisch verläuft die Infektion. Sie leiden unter Fieber, Erbrechen und Bewegungsstörungen. Erwachsene Tiere Husten, haben Nasenausfluss, Aborte oder zeigen manchmal gar keine Symptome.

Für Fehlwirte wie Hund und Katze endet eine Infektion immer tödlich. Das Virus befällt das zentrale Nervensystem und führt zu extremem Juckreiz, woher sich auch der Name der Krankheit „Pseudowut“ ableitet. Der Mensch ist für dieses Virus nicht empfänglich. Die Schweiz gilt als frei von der Aujeszky-Krankheit und wird mittels Stichproben überwacht.

Per se ist Schweinefleisch weder ungesund noch gefährlich für Hunde und Katzen. Es gilt aber einige Punkte zu beachten. Wildschweine können als Überträger dienen. So kommt es in Deutschland, wenn auch sehr selten, zu Meldungen von Jagdhunde, die mit kranken Wildschweinen in Kontakt gekommen sind und sich so angesteckt haben. Hund wie auch Katzen sollten niemals rohes Schweinefleisch (besonders Wildschwein!) unbekannter Herkunft bekommen. Das Virus ist hitzelabil und wird beim Erhitzen abgetötet. Um sicher zu gehen, kann man Schweinefleisch vor dem Verfüttern kurz erhitzen.

Xylitol

Xylitol, auch Birkenzucker genannt, wird seit Jahren als Zuckeraustauschstoff verwendet. Für den Menschen bringt dieser Stoff einige Vorteile mit. Er wirkt gegen Karies und hat einen viel geringeren Brennwert als der normale Zucker. So hat er beispielsweise in Kaugummis Einzug gehalten, wo der positive Effekt auf die Zahngesundheit und den frischen Atem sehr geschätzt wird. Auch wird Birkenzucker immer häufiger in der eigenen Backstube verwendet.

Für Hunde ist Xylitol jedoch giftig. Er bewirkt eine massive Ausschüttung von Insulin, was eine drastische Senkung des Blutzuckerspiegels zur Folge hat. Ohne intensive Behandlung kann dies tödlich enden. Auch Schädigungen der Leber sind bekannt. Für Katzen hingegen ist dieser Stoff ungefährlich.

Einige Zahlen: Ein durchschnittlicher Kaugummi enthält 0.3 mg Xylitol. Mengen ab 0.1 mg/kg lösen einen Blutzuckerabfall aus, ab 0.5 mg/kg ist akutes Leberversagen möglich.

Für einen 20 kg schweren Hund bedeutet dies: Blutzuckerabfall ab ca. 7 Kaugummis und ab 33 Stk. Leberversagen.

Schokolade und Theobromin

Schokolade – wahrscheinlich das Schweizer Genussmittel Nummer 1. Kakao enthält Theobromin, ein mit Koffein verwandter Stoff. Beim Hund wird dieser Stoff wesentlich langsamer ausgeschieden als beim Menschen. Dies führt zu einer Akkumulation und kann Vergiftungserscheinungen hervorrufen. Akute Symptome sind Erbrechen, Durchfall, zittern bis hin zu Krampfanfällen sowie erhöhte Atem- und Herzfrequenz. Aber auch ein geringer, regelmässiger Schokoladekonsum bereitet Hunden Probleme wie Magengeschwüre oder Herzversagen.

Einige Zahlen: Bei Hunden tritt eine Vergiftung ab 20 mg/kg auf, Todesfälle werden ab 100 mg/kg beobachtet. Je höher der Kakao-Anteil, also je dünkler die Schokolade, desto mehr Theobromin enthält sie: Milchschokolade bis 2 mg/g, 70%ige Schokolade etwa 20 mg/g.

Für einen 20 kg schweren Hund heisst das ab 200 g Milchschokolade oder 20 g 70%ige Schokolade Vergiftungssymptome und ab 1 kg Milchschokolade bzw. 100 g 70%iger Schokolade kann der Hund daran sterben.

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